3. Tag: Southampton – Land unter den Füßen!

Ankunft in Southampton
von Michael Sturm

3. Tag: Southampton – Land unter den Füßen!

Nebel liegt über Southampton und über dem Wasser, nur ab und an wagt sich eine Barke oder Fähre aus dem dunstigen Grau. Die Sonne ist schon aktiv, sie glänzt auf dem Rot und Schwarz des Schornsteins unseres Schiffes. Das Schiff scheint wie verlassen, an Deck ist niemand. Doch der Schein trügt die Sinne, denn auf Deck 2 und 3 tummeln sich viele Menschen und warten.  Organisiert nach Farben warten sie an vorgesehenen Punkten des Schiffes darauf ihr Handgepäck in die Hände zu nehmen, um das Schiff zu verlassen – sobald ihre Farbe aufgerufen wird ist es soweit. Am Abend zuvor hatten diese Gäste ihre größeren Habseligkeiten vor die Tür gestellt, versehen mit einer farbigen Banderole. Das Gepäck wurde flugs abgeholt vom unsichtbaren Personal und auf Deck 1 zwischengelagert, bevor es nach dem Anlegen separat an Land in die Ankunftshalle gebracht wird. Hat sich der Gast die Farbe gemerkt, die ihn kurzzeitig auszeichnet, kann er glücklich sein Gepäck in die Arme schließen. Wenn nicht, könnte es länger dauern.

Uwe Eric Laufenberg und seine Frau verlassen uns leider schon, sie gehen an Land und reisen weiter nach London. Der Rest des Künstlerteams hat Zeit für den Landgang und der wird eifrig genutzt. Southampton ist an einem Sonntag morgen um 10 Uhr wie jede andere Stadt um diese Uhrzeit noch recht schläfrig, eine Stunde später jedoch ist die Innenstadt überfüllt von Menschen. Die Geschäfte öffnen und das Treiben beginnt in den Seitenstraßen und in einer austauschbar langweiligen Shoppingmall. Die wenigen historischen Gebäude der Altstadt sind eine Zierde, das meiste wurde 1940 zerstört und durch englische Nachkriegsarchitektur ersetzt. Bremerhaven lässt grüßen! Schöne große innerstädtische Parkanlagen laden jedoch zum Verweilen ein und die Marina ist auch ganz manierlich. Die Sonne lacht, doch Meister Gollum spricht mich an und sorgt die kommende Nacht bei mir für unruhige Momente. Ob er sich mit an Bord geschlichen hat?

Geprobt wird schon eifrig. Wir haben ein Piano auf Deck 1 entdeckt. Es steht im Kensington Room, ein wohlklingender und inspirierender Name, umgeben von einem Gebirge frischer Matratzen, einer langen Ballettstange und ebensolchen Spiegeln, ein Staubsauger hält Wache. Großartig

Kategorien: Opernkreuzfahrt
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

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