Paseo de Martí

die Avenida
von Michael Sturm

Paseo de Martí

Der Prado von Havanna ist eine breite Stichstraße, die vom Parque Central hinunter zum Meer führt,  dorthin, wo der Malecon beginnt. Eine feine Avenida ist sie und der Name des kubanischen Nationalhelden Jose Martí ziert ihren Namen. Links und rechts fließt der Autoverkehr, an Wochentagen lauter und verbleiter, an Sonntagen hingegen kehrt eine wohltuende Ruhe ein und der repräsentativ schöne Mittelstreifen gewinnt an Bedeutung und Würde - das Leben kehrt nämlich ein. Umsäumt von schattenspendenden Bäumen, alten Straßenlaternen und Marmorbänken regieren Familien und Flaneure, Kinder und Künstler. Die Kunst findet auf der Straße statt und eint alle. Die Alten lehren die Kinder das Malen und Zeichnen und ihre anleitende Malschule lässt bunteste Aquarelle entstehen. Zwischendurch wird etwas Fußball gespielt, um danach zum Pinsel zurückzukehren. Die Älteren versuchen es mit Öl und Zeichenstift, die fertigen Kunstwerke landen sogleich im Verkaufständer für flanierende Kundschaft aus Nah und Fern. Die Ruhe ist es, die berührt und sie liegt über allem, denn nicht der Verkauf scheint das höchste Ziel zu sein, sondern der Genuss des Beisammenseins. Was entsteht, entsteht aus sich heraus. Malen, Sticken, Fußball spielen, Familie sein über Generationen hinweg, so als wolle man der Avenida Konkurrenz in ihrem langen Leben machen und ihrer Würde und inneren Ruhe schmeicheln.  Das  Grün des Parks ist sein Beginn, das Meer sein Finale und dazwischen in seinem Lebensweg der Mensch. Verlässt er den Weg seitwärts hat er zwei Möglichkeiten. Die eine sind alte, neue oder zukünftige Hotelanlagen, die andere besteht aus maroden Straßenzügen, die sich mit ihren baufälligen Häusern wie von der Hauptschlagader des Prado als einfache Blutgefässe in das Irgendwo des Körpers von Havanna verlieren.  In den Gefäßen fließt das Leben, wie hinter den Fassaden, wo die Träume blühen und vom Dach unseres Hotels Parque Central schaut man auf die Anatomie der Stadt der Möglichkeiten und des Lebens. Am Horizont verabschiedet sich die Sonne in die Nacht und vergoldet Dächer und Fassaden. Ein kurzer liebevoller Gruß von ganz oben und wir gehen ins Teatro Martí, um die Menschlichkeit in Musik zu hören - Mozart kommt!

 

PS: Our Man in Havanna - Alex Guiness als Spion im Havanna kurz vor der Revolution!

Kategorien: Kuba
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

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