Weihnachten in Berlin 2016

vor der Gedächtniskirche
von Michael Sturm

Weihnachten in Berlin 2016

Am Montag traf ich einen guten Freund an der Gedächtniskirche, wir passierten den Weihnachtsmarkt und verschwanden im Europacenter auf einen Kaffee. Das Markttreiben wollte ich mir aufheben für den Tag darauf, wenn ich mit meinem Sohn unterwegs sein wollte. Es war uns mit den Jahren zur schönen Gewohnheit geworden auf diesem netten Weihnachtsmarkt unterwegs zu sein, Glühwein zu trinken, zu speisen und zu schauen.

Der Tag kam, doch nichts mehr war wie je zuvor. Keine Autos fuhren auf den umliegenden Straßen, keine Musik lärmte aus den Weihnachstbuden, kein Glühwein mehr und auch kein Essen. Alles war verstummt und eine unbeschreibliche Dunkelheit und Stille lag über dem Ort. Seltsam, dass ein Unheil jegliches Licht und jeden Ton nehmen kann. Diese Stille war stumm und die Dunkelheit tot, ein Nichts von sonderbarer Energie. In der standen ratlos oder ziellos wandelnd die wenigen Menschen. Lichtinseln hatten sich an einigen Ecken gebildet, Blumen lagen da und Seelenlichter brannten, die zogen die Wenigen an. Mein Sohn und ich entzündeten eine Kerze, wir verharrten lange und gingen. Lichter in der Dunkelheit, aber es wollte nicht hell werden.

Heute nun kamen wir zurück an diesen Platz. Die Buden hatten wieder geöffnet, doch die Stille regierte noch immer. Eine Sehnsucht nach Frieden und Menschlichkeit lag über dem Ort und das Leben wollte zurückkehren. Den Glühwein tranken wir bewußter, doch schmeckt er seither anders.

Zeitenwende.

Viele Kerzen, manche Schleifen und viele Blumen. Auch eine Flagge im Meer der Hoffnungs-und Trauerlichter, es war die israelische.

WIr freuen uns nun auf das Weihnachtsfest und wünschen

Frohe Weihnachten und Happy Chanukka!

Kategorien: Sturm unterwegs
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

Neuen Kommentar schreiben