1. Tag: Leinen los!

Leinen los!
von Michael Sturm

1. Tag: Leinen los!

Das Team ist komplett, die Oper sticht in See. Auf dem Sonnendeck vor der Ausfahrt aus dem Hamburger Hafen das Treffen der Künstler der Opernkreuzfahrt: Uwe Eric Laufenberg, Intendant und Regisseur, Paul Weigold, Dirigent und Professor, seine Frau Esther, ein Mezzo. Helena Zubanovich, ebenso ein Mezzo und dazu Gesangspädagogin, Stefan Rieckhoff, mein Bühnen –und Kostümbildner. Dabei auch zwei Gesangsstudenten Carina Schmieger, jung und lyrisch und Martin Rainer Leipoldt, der Tenor, jung. Ich gebe den Regisseur und Spielleiter der Opernkreuzfahrt. Auf geht´s! Die Programme sind fertig, morgen um 10 geht es los. An Bord viele Menschen, darunter auch die Freunde und Enthusiasten, die in New York mit uns die MET besuchen werden.

Die Ausfahrt aus dem Hamburger Hafen beginnt gegen 19 Uhr. Etwas frühzeitig, unfair geradezu und ungesund überdies, denn das Abendessen ist anberaumt auf 18 Uhr. Und da ich mir als alter Hamburger nicht entgehen lassen möchte über der Elbchaussee thronend die Stadt auf dem Hausfluss zu verlassen, muss eben äußerst zügig „gespachtelt“ werden. Nun ist der neue Standort des Terminals ein kleiner Appetithemmer, denn die neue Auslauftrasse der Queen der Meere führt nicht mehr an den Landesbrücken vorbei und lässt auch den Michel im Rücken liegen. Dennoch verzaubert schon jetzt die schäumende Welle in Glas und Stein die Augen der Betrachter – die Elbphilharmonie ist Hamburgs wunderbares neues Wahrzeichen – und der Michel wird zu kämpfen haben, denke ich mir. Obwohl: der Heilige ist ein Meister des Kampfes, er wird es schon richten.

Der untergehenden Sonne geht es entgegen, tiefrot ist sie. Barkassen geben das Geleit, ebenso die vielen Freunde des Schiffes an Strandperle, am Anleger Teufelsbrück, in Övelgönne – das Jacob´s natürlich. Die Party in Max Liebermanns Garten ist schon in vollem Gange, Salut wird geschossen, Bettlaken fliegen in die Höhe, Wunderkerzen und anderes leuchtendes Gerät heben die Stimmung, Rule Britannia dröhnt aus dem Lautsprecher dem Schiff entgegen – der Siedepunkt ist erreicht: Emphase zu Land und zu Schiff. Wedel geht es entgegen, Beluga macht sich zum Start bereit, wir sind auf der Höhe der Airbus-Flugzeugwerft in Finkenwerder. Das fliegende Ungetüm stemmt sich kraftvoll gravitätisch in luftige Höhe und verschwindet in der Dunkelheit. Wie wir, die wir mit dem Strom dem Meer entgegenzuschweben scheinen.

 

Gute Nacht!

Kategorien: Opernkreuzfahrt
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

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