2. Tag: Der Auftakt mit Meer und Oper

2. Tag: Der Auftakt mit Meer und Oper
von Michael Sturm

2. Tag: Der Auftakt mit Meer und Oper

Das erste Erwachen auf See, unspektakulär: kaum Seegang, nur ein leichtes Rauschen des Fahrtwindes bei weniger als 20 Knoten, dazu wenige Wolken, meist Sonne. Die holländische Küste am Morgen, die Straße von Dover am Abend. Das Schiff erwacht, immer mehr Menschen verlassen ihre Kabine und bewegen sich zum Frühstück: zur langen Raumflucht im Königreich der Selbstbedienung des Kings Court für diejenigen, die das als Segment gebucht haben und diejenigen, die wenig Zeit mitbringen und gerne früh und ungestört mit dem ersten Kaffee den Tag beginnen möchten. Die höheren Segmente kennen keine Selbstbedienung, hier wird die Serviette vom umsichtigen Personal auf den Schoß gelegt, man wird platziert und am Tisch bedient – all das findet man im schönen Britannia Restaurant. Im Queens und Princess-Bereich geht es intimer und ruhiger zu, da weniger Gäste und kleinere Tische, Candle Light und feine Klänge dazu. Wer jegliche Bewegung scheut, bleibt in seiner Kabine und lässt sich bedienen – das geht auch. Alles ist möglich: mich interessiert gerade, ob es auch für die mitgebrachten Hunde an Bord einen ähnlichen Service gibt und in welcher Klassifizierung das Fressi serviert wird. Ich werde es herausbekommen. Zumindest weiß ich schon, dass 7 Vierbeiner an Bord sind und sie viel Freude untereinander und mit dem Persnal haben sollen.

Die Auflösung des RCT-Rätsels. Es handelt sich um das Royal Court Theatre und nicht um eine medizinische Apparatur, eine Art Bruder-Gerät des MRT. Dort finden also die großen und kleineren Shows statt: meist die allabendlichen Musical-Performances von ausgesprochen hoher Qualität. Viele Effekte, viele singende Tänzer, Perfektion ist angesagt. Die technische Ausstattung ist erstaunlich, es hängen sehr viele Movinglights in der Decke, eine Drehscheibe gibt es auch, sogar Hubpodien. Manch deutsches Stadttheater würde jubeln über diese technische Ausstattung. Was fehlt ist ein „Eiserner Vorhang“ für den Brandschutz wie wir es von unseren Theatern her kennen. Im Brandfall würde das hier den Fluchtweg versperren, daher setzt man auf Verzicht bzw. auf den schwarzen samtenen Vorhang mit Sternendioden.
Zu den kleineren Aufführungen zählt die Auftaktveranstaltung unserer Opernkreuzfahrt. „Oper heute“ – so das Thema mit dem Intendanten des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und Regisseurs Uwe Eric Laufenberg. Ich moderiere das Gespräch – eine Premiere für mich, Anspannung entsprechend groß. Es läuft gut, macht Spaß und ist kurzweilig, Herr Laufenberg macht Appetit auf unsere Kunst. Wir kreisen um sein Theater, um Wagner und Parsifal, um den grünen Hügel. Alles sehr lebendig und informativ, Oper ist Lust und Leidenschaft – ein großartiger Auftakt von Herrn Laufenberg für die weiteren Veranstaltungen an Bord! Und die nächste folgt wenige Stunden später bei der „Meisterklasse für Gesang, Musik und Szene“. Als „Meister“ in Aktion der Dirigent am Klavier Paul, die Sängerin als Gesangspädagogin Helena und ich für die Szene. „Jetzt Schätzchen, jetzt sind wir allein“ – das Anfangsduett aus Beethovens Fidelio. Als Marzellina Carina, als Jacquino Martin. Zuerst Einsingübungen für die Sänger mit Helena, dann musikalische Arbeit an den Noten mit Paul und ich mit zwei Stühlen in einiger Distanz zueinander. Auf den Stühle die beiden Sänger: er liebt sie und will sie, sie allenfalls mag ihn und liebt einen anderen – Konflikt vorprogrammiert. Wann steht der Tenor auf und will zu ihr, wann wehrt sie den Unhold ab – und vor allem wie. Fortsetzung folgt. Am Abend im Chart Room – unser Champagner-Treff

Kategorien: Opernkreuzfahrt
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

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