Genua!

LA ROSSA!
von Michael Sturm

Genua!

Genua. – Ich habe mir diese Stadt, ihre Landhäuser und Lustgärten und den weiten Umkreis ihrer bewohnten Höhen und Hänge eine gute Weile angesehen; endlich muß ich sagen: ich sehe Gesichter aus vergangenen Geschlechtern – diese Gegend ist mit den Abbildern kühner und selbstherrlicher Menschen übersäet. Sie haben gelebt und haben fortleben wollen – das sagen sie mir mit ihren Häusern, gebaut und geschmückt für Jahrhunderte und nicht für die flüchtige Stunde: sie waren dem Leben gut, so böse sie oft gegen sich gewesen sein mögen. Ich sehe immer den Bauenden, wie er mit seinen Blicken auf allem fern und nah um ihn her Gebauten ruht, und ebenso auf Stadt, Meer und Gebirgslinien, wie er mit diesem Blick Gewalt und Eroberung ausübt: alles dies will er seinem Plane einfügen und zuletzt zu seinem Eigentume machen, dadurch, daß es ein Stück desselben wird.

So sann Friedrich Nietzsche in Genua, vereint im Geiste mit den mächtigen und stolzen Dogen, mit Christoph Kolumbus, der Indien zu entdecken wünschte doch versehentlich auf den Bahamas strandete, mit Nicolo Paganini, dem teuflisch geigenden Sohn der Stadt, mit dem Genueser Renzo Piano, dem wohl renommiertesten italienischen Architekten der Gegenwart. Stil, Stolz und Irrtum in Koalition mit dem Abgründigen - alles liegt nahe beieinander und direkt am Wasser des ligurischen Meeres und nennt sich Genua.

Dorthin zieht uns die Sehnsucht, dorthin leitet uns der Pfad zur Begrüßung des Neuen Jahres. Mit einem rauschenden musikalischen Blick in die Neue Welt bei einem Neujahrskonzert (Kolumbus lässt grüßen!), einem sinnbildlichen Abschied vom Alten Jahr unter der dankenswerten Mitwirkung von Verdis Lieblingskurtisane Violetta Valéry im Teatro Carlo Felice (Leben und Sterben von La Traviata!) und vielen weiteren genoveser Überrschungen.

Und daran arbeiten wir gerade!

Kategorien: Silvester seit 2015
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

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