13. Tag: Hoffnung – Blut – Turandot

13. Tag: Hoffnung – Blut – Turandot
von Michael Sturm

13. Tag: Hoffnung – Blut – Turandot

Die Fahrt mit dem Taxi und hinauf in den 23.Stock, dort wohnt der Doc, die Rezeption ist im Wartezimmer, finanziell gibt es gleich Klarheit, der Besuch wird kosten. Papiere werden ausgefüllt, fünf Unterschriften gegeben, wofür – keine Ahnung, geht zu schnell, man kann mir alles unterjubeln, doch es gibt ja den Doc des Vertrauens und da ist er. Weitere Einzelheiten möchte ich dem Leser ersparen, nur noch mitteilen, dass die Praxis unglaublich schnell und professionell eingespielt arbeitet und alles technisch auf unfassbar modernem Stand zu sein scheint: Blutdruckmessgerät und Fieberthermometer sind direkt mit dem Computer verbunden. Die Papiere bekommt man nach wenigen Minuten ausgehändigt, dann wird gelöhnt mit der Kreditkarte und gar nicht wenig. Der Doc, den ich danach aufsuche, sorgt dafür, dass ich am Abend befreit und zufrieden Turandot nicht nur sehen, sondern auch hören kann – es wäre ansonsten ja nur ein halbes Vergnügen. Ach ja, dort auf dem Papier zur Person kann man ankreuzen zu welcher Rasse man gehört. Weiß, afro-amerikanisch, asiatisch, ethnisch und anderes gab es zur Auswahl. Befremdlich im ersten Moment, aber dann ist klar: die Stadt hat die Weltvölker partiell bei sich zu Hause und jedes Volk hat seine Eigenarten, die der Arzt wissen muss. Über die Apotheke kann ich jetzt auch noch schreiben, denn das, was ich dort erlebe ist ganz anders als bei mir am Olivaer Platz, doch der Blog berichtet von einer Opernkreuzfahrt und nicht von Infekten in der Apotheken-Rundschau.

Hoffnung – Blut – Turandot, das ist die Gleichung der Entzauberung einer seltsamen und noch unverheirateten Prinzessin, die alle Freier köpfen lässt, die diese Gleichung nicht kennen. Ein süßes Produkt an Dekadenz mit hübschem Diadem auf noch lebendigem Kopf verschenkt gerade noch alle Perlenketten und Brillanten und kurz danach ist es um sein Haupt geschehen. Kalaf hält Stand und die Prinzessin bibbert, Nessun dorma möchte man meinen und an der MET hören wie von Pavarotti, doch Alvarez ist kränkelnd, es scheint zu tropfen und zu triefen. Frau Goerke hat Power als Prinzessin und hält sich sehr gut – am Ende willigt sie in die Ehe mit Kalaf ein. Ist ja ein Märchen und zudem ein über-über-über-opulentes aus einer gefühlt anderen Zeit, wenn man die Ausstattung in Betracht zieht. Jubel, als wäre die USA Fußballweltmeister geworden – so tobt die erste Reihe nach dem Schlussakkord.
Großartig war der Dirigent!!! Hervorragende Tempi, sehr bei den Sängern und immer auf der Bühne mit allen, mitsprechend den Text und eine tolle Ausstrahlung. sehr gut!
Ein gelungener Abend und ein Stück, das Stefan und ich unbedingt machen sollten. Wir haben da schon ein paar Ideen…

Kategorien: Opernkreuzfahrt
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

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