14.Tag: Mahler, Dvorak, Brooklyn, Newark

14.Tag: Mahler, Dvorak, Brooklyn, Newark
von Michael Sturm

14.Tag: Mahler, Dvorak, Brooklyn, Newark

Frisch und windig ist es zwischen East und Hudson River, etwas Regen ist auch dabei. Ein Hurrikan sei im Anflug, er soll mit diesem Wetter aber vorbotlich nichts zu tun haben. Doch seltsamerweise passt die Stimmung zu „Gustav Mahler in New York“. Irgendwie kühl, grau, a bisserl Spätherbst in der Luft. Und eine große Trommel. Es soll der Trauerzug der Feuerwehr gewesen sein, der Mahlers Aufmerksamkeit erregte. Auf der Straße unterhalb seines Hotels am Central Park führte eine Musikkapelle den Zug an, genauer eine große Trommel, die in langen Zeitintervallen erbarmungslos zuschlug – auf der Straße, in der Sinfonie, im Leben. Es ist Mahler´s Leichenzug, den man in der Musik hört und am eigenen Körper unmittelbar miterleben kann. Das Particell gibt es, unvollendet blieb die Sinfonie, doch der letzte Fetzen Leben, der New York mit Mahler und Wien verbindet ist als Trommelschlag der Welt geblieben, als Mahnung, als Trauer der Hinterbliebenen, aber auch als Hoffnung. Ich denke an 9/11, an das berührende Memorial, an die vielen wunderbaren Gaben, die wir Menschen besitzen, aber auch an die Tage, die hinter und nun wieder vor uns liegen. Ein guter Geist begleitete diese Reise von Hamburg nach New York, es schwingt weiter der Klang von Musik und Bildern, von Gerüchen und dem Salz auf den Lippen,vom Rauschen des Meeres und des Straßenverkehrs – trotz aller Ruhe und Ermüdung, trotz der Sehnsucht, die allen Empfindenden hold ist.

Antonín Dvořák im Stuyvesant Park, da steht er, alle mit ihm vereint, er in der Mitte, der Fotograf bin ich – deshalb kein Sturm in Sicht. „Aus der Neuen Welt“ ist der Blick in die alte gerichtet, sehnsuchtsvoll bei Antonin aus Nelahozeves, ein Blick in die böhmische Heimat nach Land und Familie. Das Englisch Horn im Herzen spürend, irgendwie auch in unseren, erfüllt doch wehmütig, denn in wenigen Stunden endet das einzigartige Erlebnis „Opernkreuzfahrt“. Kurz geht es durch Brooklyn, kurz ins dortige Museum; im überdachten Lichthof erwartet uns das Abschiedsmahl, mit Kaffee aber ohne Dessert, die Zeit ist kurz, da die unkalkulierbar lange Busfahrt nach Newark naht. Das Museum selbst ist übrigens eindrucksvoll, die ägyptische Sammlung hervorragend, die Sarkophage der Mumien bunt und sehr gut erhalten. Allein ein Tritt der Grabräuber, um die glänzenden Grabbeigaben zu stehlen, trübt den Blick – das Holz ist an der Wade eingetreten. Die Zeit wann das geschah, lässt sich sicherlich bestimmen und auch die Schuhgröße des Täters: Größe 43 sollte stimmen. Auf geht´s mit den weiteren Ermittlungen.

Auf Wiedersehen und auf ein Neues, ein Weiteres! Herzlichen Dank allen! Der Cunard, PALCO REALE, den wunderbaren Gästen, Stefan, Paul, Helena, Carina, Esther und Martin. Ein bleibendes Erlebnis tief im Herzen.

Auf dem Dachgarten im 27.Stock bei Ingeborg wird eine Flasche Chianti geköpft, der Ausblick zum Chrysler, der Himmel weint – es regnet, die Stimmung aber ist prächtig mit Stefan und Ingeborg. Am Abend der musikalische Ausklang mit Gustav Mahler. Drogenpotenzial, aufgepasst! Wien und New York vereint.

Kategorien: Opernkreuzfahrt
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

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