Die blaue Phase

vor dem Segel
von Michael Sturm

Die blaue Phase

Die blaue Phase beginnt in der Luft, PALCO REALE ist unterwegs nach Kuba. Unter uns spiegelt sich das Türkis des flachen Meeres mit den Schatten vereinzelter Wolkenzipfel. Eine langgezogene Brücke als schmale Verbindung von Insel zu Insel, abwärts von Miami nach Key West und weiter hinunter vom letzten breiten Streifen eines tiefdunklen Blaus ins saftige Grün tropenähnlicher Wälder. Angekommen in Varadero. Nach langem Sitzen über viele  Stunden hinweg, geht es nun recht schnell, die Brille für das Einlassfoto abgenommen, die rote Linie an der Passkontrolle nicht überschritten, dem Gepäckband entgegen. Koffer um Koffer finden eintrudelnde Abnehmer und nach der Zollkontrolle geht es zum bunten Bus und dann ins nahe Hotel. Die Brise ist warm und feucht, sie umschmeichelt und umarmt die gerade Ankommenden, um sie am darauffolgenden Morgen hinaus aufs Meer zu locken.

Mit einem Katamaran geht es dem offenen Meer entgegen. Unterwegs wird geankert, Schnorchel und Taucherbrille dürfen probiert werden, einige Fische schwirren wie auf Bestellung um das Ankerseil herum. Nichts deutetet darauf hin, dass „der alte Mann“ an diesem Tag glücklich würde, denn mit einem großen Fang ist nicht zurechnen. Die Insel Cayo Blanco ist das Ziel und wir sind nahezu allein am weißen Strand. Ein kubanisches Revolutionsdenkmal verknüpft die Geschichte mit der Strandliege: Sonnenbaden gut, Revolucion noch besser. Und der frisch zubereitete Hummer ersetzt  zwei Mahlzeiten. Die Touristenenklave gehört dem Staat und dem Katamaran. Wer auf die Insel kommt, war zweirümpfig unterwegs zu ihr, so behält man den Überblick. Privatboote und Riesenjachten Felhanzeige, ungesörte Ruhe hingegen. Die hervorragende kubanische Reiseleiterin ist nicht dabei, nicht erlaubt, denn Florida ist allzu nah. Cayo Blanco ein Genuss für uns, sie geniesst aus der Ferne - bald.

Als ein weiteres Boot anlegt, sind wir bereits im Gehen begriffen, können aber gerade noch wahrnehmen, wie die ersten Landgänger zu den Liegen stürzen, um sie mit Handtüchern und Badelatschen in Besitz zu nehmen.  Dass es ein Überangebot freier Schirme und Liegen gibt, sorgt nicht gerade für Entspannung bei den Tätern, sie folgen ihrem Instinkt. Doch was soll´s, wir sind wieder auf See und Hemingways großartige Erzählung lädt zum Hören ein, die dort spielt, wo wir sind. Unter Segeln beim "alten Mann" und der glücklichen Entspannung seiner verkrampften Hand. Das Meer rauscht blau, danach folgen die roten Rhymthmen des Salsa. Dank eines Workshops für tanzwillige Palco Realisten.

Kategorien: Kuba
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor

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