In sechs Wochen

Abenddämmerung in Havanna
von Michael Sturm

In sechs Wochen

Es dürfte weitergebaut worden sein, das Kapitol von Havanna. Zwar wird es noch nicht im Scheinwerlicht erstrahlen, doch die Baugerüste dürften sich verlagert haben, wenn ich in sechs Wochen zurückkehre. Die anstrengende Baustelle davor wird sicher verschwunden sein, längstens in dem Moment als Obama vor wenigen Monaten das Gran Teatro de La Habana betrat, um eine Rede zu halten. Tannhäuser ging kurz spazieren, Venus einkaufen und Elisabeth schlafen. Der Präsident blieb nicht lange und statt seiner kehrte der Landgraf nebst Ensemble zurück auf die Bühne. Ein großer Erfolg war der kubanische Tannhäuser, den der deutsche Regisseur Andreas Baesler mit einheimischen Kräften in Szene setzte. Auch das deutsche Fernsehen berichtete darüber, eine tolle Sache und grossartige Initiative.

In unseren Breitengraden verabschiedet sich langsam der Sommer, die Abende werden frischer, die Nächte länger. Länger dürften sie auch auf Kuba werden, doch weniger kühl und dafür mit mehr Aroma durch kubanische Rhythmen und würzig-süsse Getränke. Mein Herz schlägt schneller. Es sind die Menschen, die mich aufs Neue faszinieren werden, die die Kunst des Improvisierens beherrschen und irgendwie immer ein Lächeln auf dem Gesicht tragen. An der Uferpromenade warten wieder die einheimischen Angler auf anbeissende Fische, in der Altstadt die buntlackierten Taxis auf auswärtige Kundschaft. Ab und an eine Cohiba, dann einen Mojito, es kann nicht besser gehen. Zuvor lese ich noch Hemmingway, gehe bei Che in die Schule und überlege mir wie sich Mozart in Havanna anfühlen wird. Sinnlich, authentisch, voller Seele, intensiv. Es wird ein Fest. Che meets Mozart - PALCO REALE macht ernst, bald ist es soweit, darauf jetzt einen Mojito.

Kategorien: Kuba
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor