Sehnsuchtsort - Odessa

das Opernhaus
von Michael Sturm

Sehnsuchtsort - Odessa

nach sechs Jahren war ich wieder dort, an der Treppe zum Meer hinab, unter den Platanen entlang zum Theater, im Theater, um zu träumen. Eine vergangene Zeit, die anklopft und die ihre Türen öffnet. Festlicher und schöner wie kein Rahmen sie erträumt, Musik, Ferne und Museales fegen durch das Haus, wie Laub im Herbst, so goldgelb wie Figurenschmuck und Ornament in allen Räumen und Gängen. Der Herbst ist schön, immerwährend über alle Jahreszeiten hinweg. Vielleicht der Zustand unserer Kultur? In jedem Falle immerwährende Vergänglichkeit und ein Zeitgeist großer Festkultur in Stein gemeißelt. Pracht und Prunk als Zierde im Herbst eines Zeitalters. Ein wunderbarer Bau, ein herrlicher Tempel. Der größte, den das Wiener Architekteam Fellner&Helmer gebaut hat, doppelt so groß wie die kleine Schwester in Berlin, die sich Komische Oper nennt. Nun also Salome - so passend, so deckungsgleich in der Perle am Schwarzen Meer.

Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor