15. Tag: Danach und weiter!

15. Tag: Danach und weiter!
von Michael Sturm

15. Tag: Danach und weiter!

Aufräumen, packen und wegwerfen. Viele Papiere haben sich angesammelt, Unterlagen und Kopien – alles, was nun keine Verwendung mehr findet und das sowieso schon schwere Gepäck erleichtert, landet in der Tonne neben dem Schreibtisch. Fertig gepackt und untergestellt, dann hinüber in die Moma auf ein kurzes Hallo mit Klimt, Matisse und Duchamp. Es regnet und das Museum ist voller Menschen. Es verläuft sich aber und man findet schon Ruhe und Muße für seine bildenden Lieblinge. Das Museum ist immer wieder ein Highlight und begeistert mich immer wieder von neuem. Diese Auswahl, diese Qualität und auch Dennis Hopper dabei, großartig.

Ein kurzes Abschiednehmen bei Pasta und Vino Rosso mit Stefan und Ingeborg und auf geht es nach JFK – im Taxi. Das sollte man nicht unbedingt tun, denn aus den veranschlagten 60 bis 70 Minuten wurden 120 und unsere Flieger warten nicht. Sagenhaft, wie viele Ampeln den Verkehr immer wieder ins Stocken bringen, der Regen und die vielen seenhaften Pfützen auf der Straße sind weitere Hindernisse in der Tempoentfaltung. Angekommen und eingescheckt: Stefan fliegt nach Deutschland zurück und ich nach Mobile in Southern Alabama. Dort erwarten mich Freunde und zwei Meisterklassen, die eine am Montag in Mobile/Alabama, die andere am Tag danach in Hattiesburg/Mississippi. Im Grunde geht es weiter wie an Bord der Queen Mary 2, nur, dass bilingual nicht gewünscht ist, sondern pures englisch. Ich werde mir Mühe geben. Morgen mache ich meine Geburtstagstour nach New Orleans, den großen River Rooad Trip am Mississippi entlang. Ich werde berichten, ob ich Tom Sawyer treffe. Eigentlich unwahrscheinlich, denn er wirkte mit seinem Kumpel Huck weiter nördlich, egal.
Sehnsuchtsvolle Grüße nach Europa!

Nachtragende Notiz: mit einem Gast aus Hamburg kam ich ins Gespräch. Er besuchte die Auftaktveranstaltung der Opernkreuzfahrt mit Uwe Eric Laufenberg. Er fand alles großartig, machte jedoch eine Einschränkung, die sein positives Bild zumindest etwas trübte: meine Schuhe seien nicht geputzt gewesen, das hätte man so mit mir auf der Bühne sehen können. Keine schöne Trübung, sicherlich, darauf hätte ich achten müssen, der Herr hatte recht. Nächstes Mal, vielen Dank für die Anmerkung. Diese Geschichte erzählte ich nun Sarah aus den Südstaaten, meiner Gastgeberin in Mobile/Alabama. Sie war überrascht über die Direktheit des Hamburgers mir gegenüber und gab zum Besten, wie vergleichsweise in Alabama eine solche Situation verhandelt wird. Nehmen wir also an, der Ehemann trägt bei offiziellem Anlass unsaubere Schuhe, so sagt die Ehegattin: „Schatz, ich sah neulich im Fernsehen einen Moderator, der trug doch tatsächlich völlig verschmutzte Schuhe“, dazu ein leichtes Schmunzeln und schon weiss der Gatte, dass nur er damit gemeint sein kann. Also über Umwege ans Ziel zu gelangen, das ist wohl die Maxime. Der Queen Mary 2 hätte das sicherlich einige Reisetage mehr eingebracht, was mich freilich nicht gestört hätte. Es lebe also der Umweg, da gibt es nichts zu lachen!

Kategorien: Opernkreuzfahrt
Porträt - Michael Sturm
Michael Sturm

Regisseur, Dramaturg und Autor