Zurück zur Übersicht

Meistersinger in Polen

von Michael Sturm

Nein, ich lese keine Kritiken und, ja, Kritiken sind mir eigentlich egal, darüberhinaus habe ich auch keine Zeit dafür. Basta. Schreibt keiner, liest keiner, bringt nichts. Verdi las nicht, Wagner las nicht, alle lasen nicht. Stimmt nur alles nicht.

von Michael Sturm

Den aufwühlenden Tage folgten die Ruhe und mit der Ruhe die Grippe. Fieber, Halskratzen, Nasenverstopfung um Dauerzustand, doch nun geht es heim mit allen im Krankentransport. Der Leihwagen steht in der Garage, gepackt wird gleich und ab geht´s. Poznan auf bald! Denn im kommenden Januar folgen die nächsten Aufführungen.

von Michael Sturm

Wir sind auf der Zielgeraden, das Haus ist bezogen, nun müssen noch Stühle gerückt und Bilder gehängt werden. Am Donnerstag ist die Generalprobe, am Freitag mit allen die Auswertung, gleich die letzten Bühnenproben mit Orchester. Ein langer Weg von Nürnberg nach Posen war es, ein zehrender, doch welche Meistersinger gehen nicht an die Substanz. Wagner ist immer Hochleistungssport.

von Michael Sturm

Die Souffleuse ist Sängerin im Chor des Theaters und offenbar eine große Freundin des Komponisten der Meistersinger, kam sie doch vor wenigen Tagen mit einer großen weissen Schachtel mit schwarzem Scherenschnitt-Kopf auf dem geschlossen Deckel zur Probe. Sie öffnete die Wunderbox und darin enthalten als Nürnberger Lebkuchen verkleidet der Kopf des Meisters in vielerlei Anzahl.

von Michael Sturm

In Poznan endet die Weihnachtszeit sichtbar später als bei uns. Erst gestern verschwanden die letzten Reste der weihnachtlichen Beleuchtung vom Rynek, der Seele Poznans, dem Markt mit dem imposanten Rathaus inmitten.

von Michael Sturm

Der erste Probentag ist rum. Er begann mit der Einführung für Chor und Solisten. Es war Streifzug durch die deutsch-polnische Geschichte im Spiegel Wagner und seiner Nürnberg-Utopie. Was bleibt am Ende übrig? Die Welt durch Kunst zu erlösen, Wagner kann nicht anders in seinem Bekehrungswahn. Der Weg der Mythologisierung schreitet voran.

von Michael Sturm

Sie rücken näher, die Meistersinger in Polen. In Danzig hat es sie gegeben und auch im alten Breslau. Gemeint die sind die Zünfte mit ihrer bürgerlichen Gesangskultur, doch lang ist das her und es endete bevor Richard Wagner zur Feder griff um daraus eine komische Oper zu machen.

von Michael Sturm
von Michael Sturm

Ein langer Weg nähert sich behutsam einem Finale, das in der Wagnerschen "Un-Tonart" C-Dur steht und die Meister durchaus nicht verachten läßt. Denn erstmals seit dem 2. Weltkrieg und überhaupt nach insgesamt mehr als 80 Jahren finden Wagners Meistersinger von Nürnberg ihren Weg auf eine Opernbühne in Polen.